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Logo Segelflugverein Weißenburg

Wieso fliegt ein Segelflugzeug ?

500 Kilometer in fünf Stunden mit Sonnenenergie und Wasserballast. Wenn man als Segelflieger "abgesoffen" ist, also eine "Außenlandung" auf einer Wiese oder einem Acker gemacht hat, wird man oft gefragt: "Ist Ihnen der Wind ausgegangen?" oder "Fehlt heute der Wind zum Segeln?" Diese Fragen sind gleichzeitig richtig und falsch. Während beim Segler auf dem Wasser ohne Wind tatsächlich nichts geht, bewegen wir Segelflieger uns dreidimensional, bei uns kommt also die Höhe mit dazu, und um von einem hohen Ausgangspunkt abwärts zu gleiten, ähnlich wie ein Skifahrer den Hang herunterfährt, das können wir immer, dazu brauchen wir überhaupt keinen Wind. Im Gegensatz zum Ballon oder auch zum Luftschiff gehört ein Segelflugzeug zu denjenigen Luftfahrzeugen, die "schwerer als Luft sind", die also keinen eigenen Auftrieb haben. Weil nun dem Segelflugzeug zusätzlich auch noch die ziehende Kraft eines Motors fehlt, ist seine Flugbahn zuerst mal immer ein Abwärtsgleiten, das heißt eine Umwandlung seiner statischen Energie (je höher, um so mehr) in die Energie der Bewegung, also das Vorwärts- und gleichzeitig auch Abwärtsgleiten. Wie kommt es jetzt aber, daß die schlanken weißen Segler trotzdem am Himmel immer wieder emporsteigen? Hier hat jetzt auf einmal die Frage von vorhin, "Fehlt der Wind?", wieder ihre Richtigkeit. Nur ist es nicht der Wind im üblichen Sinne, etwa ein kräftiger Herbstwind, der die Bäume biegt und den man zum Drachensteigen braucht, sondern der "Aufwind", der von der Sonne erzeugt und als "Thermik" bezeichnet wird und uns Segelflieger in Höhen von 3000 Meter und mehr hochtragen kann.

Durch die Sonneneinstrahlung wird die Erde, je nach Oberflächenbeschaffenheit (freies Feld, Wald, Wasserflächen etc.) unterschiedlich stark erwärmt. Da die erwärmte Luft, die man mit einer Seifenblase vergleichen kann, die noch an einer Fläche festhängt, leichter ist als die kühlere Luft der Umgebung, reißt die Luftblase ab und steigt nach oben, wo sich häufig - jedoch nicht immer, durch die Kondensation der in dieser Luftblase enthaltenen Feuchtigkeit eine Cumuluswolke, das sind die Schönwetterwolken, bildet.

Als Bergsteiger merkt man manchmal beim Abstieg vom Berg, wie einem diese aufgeheizte, warme Luft aus dem Tal entgegen kommt. In dieser aufsteigenden Luft, dem Thermikschlauch oder "Bart" wie er in der Segelfliegersprache genannt wird, kann der Segelflieger kreisförmig nach oben steigen. Richtig gesagt - so paradox es auch klingen mag - der Segler gleitet "abwärts nach oben". Wie wir anfangs ja gehört haben, kann ein Segelflugzeug nicht wie ein Ballon steigen, da es innerhalb der umgebenden Luftmasse immer abwärts gleitet. Wenn sich dieses Luftpaket aber aufwärts bewegt, egal ob als "normaler" Wind an einem Berghang oder als "Bart", das heißt wenn diese Luft schneller nach oben steigt, als das Flugzeug in ihr nach unten sinkt, dann erfährt das Segelflugzeug einen Höhengewinn und man sagt: Es hat Steigen. In unseren Breitengraden kann ein solcher Bart das Segelflugzeug mit bis zu 3 Meter/Sek. und auch mehr hochtragen. Das bedeutet, daß man in fünf Minuten einen Höhengewinn von fast 1000 Metern macht. Damit ist die Energie der Sonne in der erreichten Höhe des Fliegers gespeichert und kann jetzt in Geschwindigkeit und damit in Strecke umgewandelt werden. Aus 1000 m Höhe können moderne Segelflugzeuge zwischen 40 und 60 Kilometer weit gleiten, bevor sie sich einen neuen Aufwind suchen müssen. Diese Leistung des Segelflugzeuges wird in der "Gleitzahl" ausgedrückt, eine Gleitzahl von 40 entspricht einer Strecke von 40 Kilometern aus 1 km Höhe.

An Tagen mit guten Wetterbedingungen können damit nach einem Windenstart, für den ungefähr ein halber Liter Benzin verbraucht wird, Strecken von bis zu mehreren Hundert Kilometern ohne Motor, nur mit der Sonne als "Antriebsquelle" geflogen werden. Bei diesen "Überlandflügen" wechseln sich also Steigen in der Thermik und Abgleiten der Höhe immer wieder ab. Spitzenkönner des motorlosen Fluges haben auch über der Bundesrepublik schon Flüge bis zu 1000 km durchgeführt.

Solche Streckenflüge werden meist als sog. "Dreiecksflüge" um zwei oder drei vorher festgelegte Wendepunkte herum, die im Flug fotografiert werden müssen, und mit Rückkehr zum Startflugplatz durchgeführt.

Ein solches 1000er - Dreieck würde bedeuten, von Gerstetten aus in den südlichsten Schwarzwald bei Lörrach, dann bis in den Raum Kassel, dann zum dritten Wendepunkt im Bayrischen Wald, fast bei Passau und wieder zurück nach Gerstetten zu fliegen. Eine Strecke, für die man mit dem Auto fast zwei Tage benötigen würde, kann mit dem Segelflugzeug in etwa 10 Stunden zurückgelegt werden. Auch von Gerstetten aus sind Flüge mit 500 km mittlerweile keine Seltenheit mehr. Dabei darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, daß viel fliegerisches Können und die richtige Wettereinschätzung nötig ist, um solche Leistungen zu erreichen. Ein wenig Glück gehört schließlich auch noch dazu, wenn der geplante Flug nicht vorzeitig auf einer Wiese enden soll.

Nun gibt es für den Laien noch eine andere Ungereimtheit in der Segelfliegerei: "Leicht fliegt gut" ist unsere Meinung, wie mancher schon als Kind beim Bau eines Drachens festgestellt hat. In den Anfängen der Segelfliegerei war dies auch das oberste Gebot, so daß die damals gebauten Segelflugzeuge gerade mal 50 kg wogen, während ein heutiges, ganz in glas- und kohlefaserverstärktem Kunststoff gebautes Segelflugzeug immerhin etwa 250 kg auf die Waage bringt. Eine "Super-Orchidee", also ein Hochleistungssegler mit großer Spannweite (bis 26 m!) oder ein Doppelsitzer wiegen fast eine halbe Tonne. Und da sieht nun ein Flugplatzbesucher, wie die Segelflieger morgens aus großen Kanistern 50...100.. und teilweise noch mehr Liter Wasser in die dünnen Tragflügel ihrer Vögel einfüllen. Warum denn das, wird er erstaunt fragen. Man kann einen einfache Vergleich heranziehen: wenn man einen Vater und seinen (leichteren) Sohn ohne anzuschieben auf dem Fahrrad oben auf einem Berg nur losläßt, wer wird dann wohl die weitere Strecke in die Ebene hinaus zurücklegen? In der größeren Masse steckt bei gleicher Ausgangshöhe mehr kinetische Energie. Das schwere, mit Wasser beladene Segelflugzeug wird aus der einmal gewonnenen Höhe schneller vorwärts kommen und damit früher wieder den nächsten Aufwind nutzen können als ein leichterer Segler. Dieses steigt zwar besser im nächsten Aufwind, unterm Strich ist das mit Ballast beladene Flugzeug bei guten Aufwinden aber das schnellere und wenn abends die Thermik schwächer wird kann das Wasser wieder abgelassen werden. Auf diese Weise können Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 150 km/h auch über große Distanzen erreicht werden.

Natürlich kann man über Sinn und Nutzen solcher Geschwindigkeitshascherei streiten, wie auch über andere sportliche Höchstleistungen, bei denen es um Hundertstel-Sekunden geht. Von Natur aus ist das Segelfliegen ein beschaulicher Sport, der auch demjenigen Spaß und tolle Erlebnisse bringt, der ganz ohne Zeitdruck nur zum Vernügen über die Landschaft schwebt.

In unserer schnellebigen und hochtechnisierten Zeit ist die Segelfliegerei eines der wenigen verbliebenen Abenteuer, um die Kräfte der Natur zu erleben, mit ihnen zu spielen und sie auch für sich zu nutzen und mit offenen Augen die ständig wechselnden Eindrücke eines lautlosen Fluges zu genießen.

Übrigens: auch wenn man hin und wieder in der Zeitung von der "Notlandung" eines Segelfliegers liest - eine solche "Außenlandung" ist völlig normal und verläuft genau gleich wie eine Landung auf einem "richtigen" Flugplatz.

Auch wenn man natürlich einen geplanten Flug viel lieber auf dem heimatlichen Flugplatz beendet, so kann man trotzdem sagen, daß eine solche Außenlandung hin und wieder zur Segelfliegerei gehört wie das Salz in der Suppe. Bei diesem Thema bekommt mancher Segelflieger leuchtende Augen und kann von schönen Erlebnissen erzählen, die er schon nach einer solchen Landung "auf dem Acker" hatte.

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